Das mit Dezember 2015 begonnene Promotionsvorhaben „Israel und die Kirche in der Offenbarung des Johannes“ am Institut für Neutestamentliche Bibelwissenschaft der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz wurde am 10. Juni 2020 erfolgreich abgeschlossen.
Die Dissertation verfolgte die Intention, Offb 11,19–12,17 und 21,3 als Leitmotivtexte zum Thema zu dechiffrieren; dabei wurde Wert auf das Verstehen und Auslegen der Texte aus der Perspektive einer theologischen Reflexion über beide Testamente gelegt. Das Vorhaben dieser Arbeit bestand darin, sowohl Offb 11 als auch 12 und 21 und weitere relevante Offb-Texte, deren Textwelten und Bilder, Aspekte, Motive und Themen zu entschlüsseln und dann neu zu würdigen. Vor allem Offb 12 – in Verbindung mit Offb 11,19 – ist wegen seines herausragenden Charakters in der Lage, einen tieferen biblisch-theologischen Sinngehalt hinsichtlich der Dissertationsfragestellung, die sich auch mit bundestheologischen Bedeutungskategorien auseinandersetzte, aufzudecken.
Die Studie war bestrebt, die Arbeitsweise des Verfassers der Offb besser verstehen zu lernen und den Versuch zu unternehmen, sie in kleinen Teilen nachzuzeichnen.
Ein Hauptaspekt der Dissertation war es, anhand der Textauswahl die „Rücksammlung“ und endgültige Wiederherstellung des Volkes Israel darzustellen. Es wurde die These untersucht, ob die Kirche in der Offenbarung als „wahres Israel“ dargestellt werden kann oder ob die Offb zwischen Israel und der Kirche unterscheidet, wobei die Fragestellung, ob und inwiefern diese neutestamentliche Schrift Israel als Mittelpunkt respektive als zentralen Ort des Heilshandelns einsetzt, besonders in den Blick genommen wurde.
Fazit: Die Offb will hinsichtlich ihrer jüdisch-judenchristlichen Denkstruktur dazu anregen, das „Jüdische“ innerhalb des Christentums in seinem Eigenwert anders – als das in der Vergangenheit der Fall war – bzw. neu wahrzunehmen und zu entdecken. Ein Beispiel, dass dieses Kommunikationsziel erreicht wird, ist die Bundesformel in Offb 21,3. Offb 11,19 und 12 dienen hier als „Navigationshilfe“ zu diesem Ziel.
Ich danke dem Doktorvater Prof. Dr. Christoph Heil, Universität Graz, für umfangreichen Anregungen und eine profunde Unterstützung.
Dr. Meinhard Beermann